Samstag, 4. Juli 2020

Jürgen Schwalm, 2019
Foto: Ulrike Schwalm



"... und das bin ich im Wasserkocher"





Jürgen Schwalm: „…und das bin ich im Wasserkocher “


Viele Marotten verschwinden schon nach kurzer Zeit wieder von der Bildfläche. Aber ewig ungestillt bleibt die Eitelkeit, von sich Selfies zu knipsen, mit deren Demonstration es gelingt, Personen, die man bestrafen will, herzlich zu langweilen. Jedes auch noch so unbedeutende Ereignis, jede gähnende Urlaubsstunde wird mit der eigenen Visage abgestempelt und wie eine Briefmarke entwertet.
Diese Motive! Tante Olga glaubt allerdings unbeirrt, dass das Taj Mahal geadelt wird, wenn sie davor als heilige Kuh zu sehen ist. Und Onkel Fritz bleckt vor seinem Eigenheim die echten und falschen Zähne, als seien sämtliche Raten schon bezahlt. Alles aufgenommen mit dem Selfie-Stick, den man seinen Feinden auch über den Schädel hauen kann.
Der grassierende Selfie-Tick wäre auf Dauer erträglicher, wenn die Dauerknipser ab und an bereit wären, sich selber zu verulken, indem sie sich durch Selfie-Tricks mit oder ohne Selfie-Sticks in Karikaturen verwandeln.



Sonntag, 28. Juni 2020

Ein verzwickter Kriminalfall

Jürgen Schwalm: “Der Geisteskranke mordete sein Opfer zu spät”, Collage (2017) unter Verwendung eines Standfotos aus dem Stummfilm “Das Cabinet des Dr. Caligari (1920)

Jürgen Schwalm

Ein verzwickter Kriminalfall

Herr Smith las stets nur Kriminalromane.
Rote, grüne, gelbe Krimi-Bände
stapelten sich bei ihm ohne Ende.
Er verschlang sie, denn für ihn halt
war Kriminalromane lesen Lebensinhalt.

Eines Tages schien ihm dabei klar,
dass er, Herr Smith, mit Kriminalinspektor Smith
von Scotland Yard identisch war,
und stellte nach Lektüre eines Krimi-Bandes fest:
„In meinem Haus befindet sich ein Gangsternest!“

Es gab für ihn fortan kein andres Ziel im Leben,
als diese Gangsterbande auszuheben,
doch schließlich wurde er gewahr,
dass er auch noch der Chef der Gangsterbande war!

Da hat Herr Smith sich kurzentschlossen
als Herr Inspektor Smith von Scotland Yard
mit seiner Waffe totgeschossen.

Man hat Inspektor Smith von Scotland Yard herangezogen,
der hat den Fall nach allen Richtungen erwogen
und rätselt nun schon länger als ein Jahr,
ob er nicht doch der Mörder seines Doppelgängers war.


(geschrieben 1955, als der Autor in Kiel während des Medizinstudiums
von gerichtsmedizinischen Problemen fasziniert war.
Über diese Zeit berichtet der Autor im „Almanach deutschsprachiger
Schriftsteller-Ärzte“, 43. Jahrgang, 2020/1, der kürzlich erschien)




Samstag, 20. Juni 2020

Frédéric Chopin

Japanischer Fächer auf japanischen Kimono-Stoffmustern des 19. Jahrhunderts. –
Foto: Jürgen Schwalm, 2020






Samstag, 13. Juni 2020

Grammophon


Symphonion, Exponat der Dauerausstellung im Scharwenka-Kulturforum Bad Saarow.
Foto: Jürgen Schwalm, 2019.
Das Symphonion ist eine Erfindung von Paul Lochmann aus den Jahren 1886/87, als Emil Berliner bereits die gerillte Schellackplatte für das Grammophon entwickelte. Das Spielwerk des Symphonions arbeitet mit Lochplatten aus Blech mit eingestanzten Häkchen. Die Häkchen zupfen sog. Sternrädchen an, die den Tonkamm des Symphonions zum Klingen bringen.




Jürgen Schwalm

Grammophon

Im Theater der Träume
meldet sich ein altes Lied
heimwehkrank

Die Drehzahl stimmt nicht mehr
mit der es rotiert
doch eine stumpfe Nadel
kratzt es noch immer
aus dem Staub der Kulissen

(aus dem Zyklus: Das Visier der Jugend)
 
 


Freitag, 5. Juni 2020

Die ewige Wiederkehr

Jürgen Schwalm: “Die Brille für die Illusionen”, Assemblage, 2020, unter Verwendung einer Plastik von Jean Marais (1913-1998), Schauspieler (u.a.: “Orphée”) und Bildhauer, Lebensgefährte
von Jean Cocteau
 
         

Freitag, 29. Mai 2020

LEBEN LEBEN


Jürgen Schwalm: “Schreiben”, Assemblage, 2020.- Reise-Schreibzeug aus Usbekistan, Messing, 19. Jahrhundert, auf Schriftproben aus: Carstairs Schnell-Schreib-Lehr-System, genannt Amerikanische Unterrichts-Methode, die schnellste Erlernung der Schreibekunst. Für den öffentlichen und Privat-Unterricht. Aus englischen und französischen Werken bearbeitet. Von C.F. Leischner. Ilmenau, 1833. Verlag, Drucke und Lithographie von Bernhard Friedrich Voigt.