Freitag, 18. Juni 2021

Jürgen Schwalm - Foto: Gisela Heese

 

Der Hampelmann

Jürgen Schwalm: „Vorsicht! Diese Ballons platzen gleich!“, Zeichnung (Blei- und Buntstifte, Tusche), Ausschnitt, 1987

 

Jürgen Schwalm

Der Hampelmann


Der Kicker
schleudert sein Schussbein
nach rechtsaußen
und seinen Kopf
nach linksaußen -

Gelbe Karte!

Von jeder Partei
an der Strippe gezogen
ohne politische Orientierung
knallt sein Kopf
schließlich in den Korb -

Eigentor!

Rote Karte!


(aus: Vernissage - Bilder einer Ausstellung)






 

Samstag, 12. Juni 2021

Origami

Origami-Faltkunst: „Der sitzende, der stehende und der fliegende Kranich“.- Zeichnung: Jürgen Schwalm, 2021

 

 

Jürgen Schwalm 


Origami 


Alle Worte, die ich prüfte und verwarf,

indem ich so viel an dich dachte.

Ich wurde zum Brandstifter meiner Papierhäuser. 

 

Du aber sagtest:

 

Ich lass doch nicht zu, dass du dich selbst verbrennst

bei deinen Fledermausflügen.

Ich helf dir löschen.

Ich rette Dir ein A und ein O

und diesen unbeschriebnen Bogen auch,

auf dem du mich beschreiben wolltest;

ich könnte ihn für uns zum Kranich falten.

 

 

 

 

 

Samstag, 5. Juni 2021

Vexierbilder


„My Wife and My Mother-in-Law” benannte der Grafiker William Ely Hill (1887-1962) dieses Vexierbild, das er 1915 für das US-amerikanische Satire-Magazin „Puck“ zeichnete. Das Magazin erschien von 1871-1918. Die Idee der Kippfigur stammt allerdings nicht von Hill, sondern das Motiv von der jungen Frau, die sich -je nach der Blickausrichtung- in eine alte Frau verwandelt, wurde schon im 19. Jahrhundert variiert. Zur Orientierung: Das Kinn der jungen Frau ist die Nase der alten Frau, und das Kinn der alten Frau ist das Dekolleté der jungen.- Sammlung: Jürgen Schwalm

 

Jürgen Schwalm

Vexierbilder 

Meine Gedichte gleichen oft Vexierbildern. Folgst du einem Gedanken, der dich durch ein Feld zu führen scheint, habe ich dich unversehens auf einen anderen Pfad gelockt, und du bist in einen tiefen Wald geraten, der dich gefangen hält. Jetzt springst du zwischen den Gedankenbildern hin und her und wünschst dir  einen Kompass. Da öffnet sich plötzlich ein Ausweg, der dich heiter gelaunt nach Hause bringt. Selbst wenn dir nach dem kuriosen Abenteuer deine vertrauten Wände ein wenig schief vorkommen sollten: Keine Sorge, bald rückt sich alles zurecht und ordnet sich wieder vernünftig ein.

Von Jürgen Schwalm erschien beim Verlag Seemann Publishing
1, unter dem Titel „Arm in Arm und Wort für Wort“ eine große Auswahl von Gedichten aus sechs Jahrzehnten (ISBN: 979-8598725467). Das Taschenbuch
(179 Seiten) kann zum Preis von 12,90 € erworben werden bei AMAZON  
https://amzn.to/3ahtiEw
2. unter dem Titel „Wort und Bild und Kunst und Leben“ – Einfälle zu Vorfällen (ISBN: 979-8507818785). Das Taschenbuch (342 Seiten) kann zum Preis von
17,55 € ebenfalls bei AMAZON erworben werden:
https://amzn.to/3oGOudT
 
 
 
 
 
 
 

Freitag, 28. Mai 2021

Jürgen Schwalm: Wort und Bild und Kunst und Leben - Einfälle zu Vorfällen


 

Im Verlag Seemann Publishing erschien von Jürgen Schwalm: Wort und Bild und Kunst und Leben - Einfälle zu Vorfällen, ISBN: 979 – 8507818785, Taschenbuch, 342 Seiten, 17,55 €. – Der Band kann bezogen werden über https://amzn.to/3oGOudT

 

 

 

Freitag, 21. Mai 2021

Vierzehnheiligen

Jürgen Schwalm: “Vierzehnheiligen”, Assemblage, 2021  (Amethyst -Druse,  –Kette und  –Rosenkranz, brauner Eisensandstein = das Baumaterial der Wallfahrtskirche Vierzehnheiligen, auf einem Foto der Kirche)    


Jürgen Schwalm 

Vierzehnheiligen 

I.

Tante Agnes pilgert nach Vierzehnheiligen zu den Nothelfern. Sie denkt halt, was der eine Heilige nicht kann, schafft dann vielleicht der andere, und wenn es die Männer nicht richten, besorgen’s halt die drei heiligen Madl: die Barbara, die Margaret und die Katharina. Vor allen Heiligen rollt Tante Agnes den Teppich ihres Lebens aus und weist auf die Schicksalsschläge hin, die ihn besudelt  und die Ornamente beschädigt haben, die ihre Erinnerungen darauf hinterließen. Sie hat sich fest vorgenommen, den Teppich in Vierzehnheiligen der Reinigung anzuvertrauen, die ihm die katholische Kirche gewiss durch die Absolution erteilen wird.

II.

Der vierjährige Peter fährt mit Oma und Mutter nach Vierzehnheiligen und will dort gar nichts. Aber weil ihn seine Blase nach der langen Reise drückt, fragt er plötzlich: „Hat der liebe Gott ein Klo?“ – „Ich weiß es nicht“, sagt Mutter. Peter lässt nicht nach: „Aber was macht der liebe Gott, wenn er mal muss?“- Oma schaltet sich ein: „Der muss nicht. Der verdrückt es.“ – Peter denkt an seine eigene Befindlichkeit und meint: „Schließlich geht es doch in die Hose.“ – Oma behält das letzte Wort: „Dann regnet’s!“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Samstag, 15. Mai 2021

Notizen zur Geschichte Lübecks: Notgeld der Plattdütschen Volksgill to Lübeck e.V.


 

Jürgen Schwalm

Notizen zur Geschichte Lübecks 

Notgeld der Plattdütschen Volksgill to Lübeck e.V. vom 15. Oktober 1921

Sammlung und Foto: Jürgen Schwalm

Die Plattdeutsche Volksgilde wurde am 28.9.1918 von Wilhelm Mildenstein (1870-1933), Hauptpastor der lübeckischen Lutherkirche, gegründet und gehört seit siebzig Jahren zur Lübecker Gemeinnützigen Gesellschaft. - Der abgebildete Geldschein aus der 50 Pfennig-Serie der Volksgill zeigt auf der Vorderseite rechts die Unterschrift von Mildenstein. Auf der Rückseite sind Lübecker Waisenkinder abgebildet. Das Waisenhaus befand sich von 1811-1923 in der ehemaligen Domdechanei, Domkirchhof  7. Der Umbau der Dechanei zum Waisenhaus erfolgte 1810 durch Ernst Christian August Behrens (1754-1817), der 1802 zum Lübecker Stadtbaumeister ernannt worden war. - Die Waisenkinder waren einheitlich gekleidet: Die Mädchen rot, die Jungen blau mit einem Kreuz = Waisenkreuz als Zeichen. Das Bild der Waisenkinder und auch die anderen Bilder der Volksgill-Serie schuf 1921 Wilhelm Bräck (1875-1968 in Lübeck; Architekt der Neuen Sachlichkeit). Im Lübecker Behnhaus befindet sich ein stimmungsvolles Gemälde von Gotthard Kuehl, das einen Innenraum des Waisenhauses im Jahre 1894 zeigt.