Freitag, 28. März 2025

(Foto: Gisela Heese)

 

Hoffnung

Amazonit (Grüner Mikroklin), Norwegen. Sammlung und Foto: Jürgen Schwalm


Hoffnung


Es bleibt uns trotz allem die Hoffnung auf einen neuen Bund. An einem schönen Frühlingstag etwa, angekündigt durch einen Regenbogen, der wieder alle Farben zeigt.


Zweifle ich auch bei allem Wechsel an der Gnade der Beständigkeit, so gibt es doch die Möglichkeit neuer Siege: dies ist der Glaube, der mich nicht sprachlos werden lässt.


Jürgen Schwalm

 

 

 

 

Freitag, 21. März 2025




 

 

Jürgen Schwalm

Türmer-Lied

Da hast du nun unter größten Mühen die höchsten Mauerzinnen erklommen, siehst die Welt bis zum fernen Horizont hoffnungsgrün vor dir ausgebreitet und willst gerade dein Türmer-Lied anstimmen, da
beschlägt der Zauberspiegel und das Märchenschloss, auf dem du stehst, bricht unter dir zusammen.

Es kracht und staubt, und wenn du schließlich wieder zu dir kommst, findest du dich, an Ketten geschmiedet, in demselben Verlies wieder, aus dem du einst ausgebrochen warst.



 
 
 
 
 
 
Landschaftsachat ("Steinbruch"), Italien, 
Sammlung und Foto: Jürgen Schwalm
 
 
 
 
 
 
 

Freitag, 14. März 2025

Aufschlüsse

 Ein in Spektralfarben schimmernder Labradorit aus Tuléar /Madagaskar. Sammlung und Foto: Jürgen Schwalm     



Aufschlüsse

Goethe interessierte sich auch besonders für Geologie und Mineralogie
und hinterließ Steinbrüche von Ideen.

Der Wissenschaftler gebraucht für Steinbruch auch das Wort Aufschluss, und diesen Begriff könnte man über Goethes Gesamtwerk stellen.

Es lohnt sich immer wieder, an seinen Gedanken-Gebirgen mit dem
Geologenhammer zu klopfen, um neue Entdeckungen zu machen.
Steinproben nennt der Geologe auch Stufen, und dieser Ausdruck
entspricht der Forderung, die Goethe an sich selbst stellte. Es ging ihm
immer darum, durch stufenweisen Aufschluss zu Erkenntnissen zu
kommen.

Jürgen Schwalm
 
 
 
 
 

Freitag, 7. März 2025

Blümerant 

Ein nahezu vergessenes Modewort ist blümerant. Mit Blümchen hat das nichts zu tun. Aber mit BLAU. Blau wie der Himmel, wie das Meer. Kornblumenblau sind die Augen der Frauen beim Weine -, na, da wären wir ja schon mitten drin im Suff, der blau macht und unter Umständen auch blümerant. Es gibt Worte, die auf der Straße liegen: Zunächst läuft man sich die Schuhsohlen 

 darauf ab, und plötzlich sind sie nicht mehr wiederzufinden. Mir wird so blümerant. Mit diesem Seufzer wurden Ohnmachten eingeleitet, als noch Korsettstangen Wespentaillen quetschten. Aber auch Onkel Geier gebrauchte ihn, als er erfuhr, dass seine Firma Pleite ging. Wo bleiben solche Worte wie blümerant, wenn sie abgetreten sind? Um den Ursprung des Wortes blümerant aufzuspüren, müssen wir zum Anfang des 19.Jahrhunderts abtauchen: Deutschland stand unter französischer Besatzung, und für die war Blau halt Bleu. Bleu, bleu, bleu sind alle meine Kleider. Wenn das Bleu verschießt, wird es zum sterbenden Blau, zum Bleu mourant, das, zu blümerant verschlissen, schließlich in die Mottenkiste der Worte geworfen wird. Aber es gibt ja mehr und mehr Second-Hand-Shops. Und vielleicht erbarmt sich ein Teeny, der den alten Wortfummel wieder anziehen will? Die Kleidermode wiederholt sich bekanntlich ja auch immer wieder.

Jürgen Schwalm

 

Abb.1:  Jürgen Schwalm: "Der Stoff, aus dem die Träume sind", Hinterglasmalerei, 2011. Bleu mourant = sterbendes Blau war im 19. Jahrhundert eine Modefarbe für Stoffe, nämlich ein helles Blau wie das in den Kreisen des Bildes.

Abb.2: Darstellung einer "Wespentaille" In Friedrich Eduard Bilz (1842.1927). Leiter der Naturheilanstalt Dresden-Radebeul: "Das neue Naturheilverfahren", 100. Auflage, Leipzig, 1900. Eine "Wespentaille" zu haben, war besonders am Ende des 19. Jahrhunderts das Schönheitsideal der Frauen. Sie konnte nur durch rigoroses Schnüren von Korsagen erzielt werden und führte zu grotesken Verbiegungen im Brust- und Bauchbereich und Verlagerungen der inneren Organe.- Es lässt sich denken, dass den Frauen bei diesen Maßnahmen oft blümerant = übel wurde. 

 

 

 

 

 


 

Freitag, 28. Februar 2025

Wenn mein Kind tanzt...

Ulrikes Lieblings-Puppe, Foto: Jürgen Schwalm



Jürgen Schwalm

Wenn mein Kind tanzt
in Trauer versunken,
weinen die Sterne:
Tränen fürs Knopfloch der Träume
über dem Herzen der Märchen.

 

(Dieses Gedicht schrieb ich 1966, nachdem ich meine damals fünfjährige Tochter
beobachtet hatte, wie sie ganz für sich nach einer nur für sie hörbaren Melodie weinend tanzte.)

 

 

 

 

Freitag, 21. Februar 2025

Winter-Lied


 








 

 

 

 

  Jürgen Schwalm


Winter-Lied

Dieser starre Zweig
und seine weiße Last.
Du kamst zurück,
mein liebster Morgenbote,
noch ohne Schwingen,
streiftest meinen Schnee ab,
schütteltest mein Gefieder.
Geh nicht wieder fort.
Ich schenk dir Flügel
mit meiner Stimme.

 

 



 
 
Astrid Cordes: Wandschirm (Paravent)
mit Glasschliff: Vogelmotiv und Text des
Gedichtes "Winter-Lied" von Jürgen Schwalm,
1995. - Foto: Jürgen Schwalm