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(Foto: Gisela Heese) |
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Amazonit (Grüner Mikroklin), Norwegen. Sammlung und Foto: Jürgen Schwalm |
Hoffnung
Es bleibt uns trotz allem die Hoffnung auf einen neuen Bund. An einem schönen Frühlingstag etwa, angekündigt durch einen Regenbogen, der wieder alle Farben zeigt.
Zweifle ich auch bei allem Wechsel an der Gnade der Beständigkeit, so gibt es doch die Möglichkeit neuer Siege: dies ist der Glaube, der mich nicht sprachlos werden lässt.
Jürgen Schwalm
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Jürgen Schwalm
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Ein in Spektralfarben schimmernder Labradorit aus Tuléar /Madagaskar. Sammlung und Foto: Jürgen Schwalm |
Blümerant
Ein nahezu vergessenes Modewort ist blümerant. Mit Blümchen hat das nichts zu tun. Aber mit BLAU. Blau wie der Himmel, wie das Meer. Kornblumenblau sind die Augen der Frauen beim Weine -, na, da wären wir ja schon mitten drin im Suff, der blau macht und unter Umständen auch blümerant. Es gibt Worte, die auf der Straße liegen: Zunächst läuft man sich die Schuhsohlen
darauf ab, und plötzlich sind sie nicht mehr wiederzufinden. Mir wird so blümerant. Mit diesem Seufzer wurden Ohnmachten eingeleitet, als noch Korsettstangen Wespentaillen quetschten. Aber auch Onkel Geier gebrauchte ihn, als er erfuhr, dass seine Firma Pleite ging. Wo bleiben solche Worte wie blümerant, wenn sie abgetreten sind? Um den Ursprung des Wortes blümerant aufzuspüren, müssen wir zum Anfang des 19.Jahrhunderts abtauchen: Deutschland stand unter französischer Besatzung, und für die war Blau halt Bleu. Bleu, bleu, bleu sind alle meine Kleider. Wenn das Bleu verschießt, wird es zum sterbenden Blau, zum Bleu mourant, das, zu blümerant verschlissen, schließlich in die Mottenkiste der Worte geworfen wird. Aber es gibt ja mehr und mehr Second-Hand-Shops. Und vielleicht erbarmt sich ein Teeny, der den alten Wortfummel wieder anziehen will? Die Kleidermode wiederholt sich bekanntlich ja auch immer wieder.
Jürgen Schwalm
Abb.1: Jürgen Schwalm: "Der Stoff, aus dem die Träume sind",
Hinterglasmalerei, 2011. Bleu mourant = sterbendes Blau war im 19.
Jahrhundert eine Modefarbe für Stoffe, nämlich ein helles Blau wie das
in den Kreisen des Bildes.
Abb.2: Darstellung einer "Wespentaille" In Friedrich Eduard Bilz (1842.1927). Leiter der Naturheilanstalt Dresden-Radebeul: "Das neue Naturheilverfahren", 100. Auflage, Leipzig, 1900. Eine "Wespentaille" zu haben, war besonders am Ende des 19. Jahrhunderts das Schönheitsideal der Frauen. Sie konnte nur durch rigoroses Schnüren von Korsagen erzielt werden und führte zu grotesken Verbiegungen im Brust- und Bauchbereich und Verlagerungen der inneren Organe.- Es lässt sich denken, dass den Frauen bei diesen Maßnahmen oft blümerant = übel wurde.
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Ulrikes Lieblings-Puppe, Foto: Jürgen Schwalm |
Jürgen Schwalm
Wenn mein Kind tanzt
in Trauer versunken,
weinen die Sterne:
Tränen fürs Knopfloch der Träume
über dem Herzen der Märchen.
(Dieses Gedicht schrieb ich 1966, nachdem ich meine damals fünfjährige Tochter
beobachtet hatte, wie sie ganz für sich nach einer nur für sie hörbaren Melodie weinend tanzte.)
Jürgen Schwalm
Winter-Lied
Dieser starre Zweig
und seine weiße Last.
Du kamst zurück,
mein liebster Morgenbote,
noch ohne Schwingen,
streiftest meinen Schnee ab,
schütteltest mein Gefieder.
Geh nicht wieder fort.
Ich schenk dir Flügel
mit meiner Stimme.