Freitag, 5. August 2022

Sommermittag

Jürgen Schwalm: „Erinnerung an Rhodos“, 2005. Schaukasten mit Glasmalerei und einem weißen Kochlaki-Kiesel aus Rhodos

 

Jürgen Schwalm

Die Musik ist mit der Lyrik eng verwandt. Lyrik kann Musik sein und Musik lyrische Dichtung. In meinem Gedicht „Sommermittag“ erklingt mit dem Satz „Fern der Horizont hat ganz vergessen, dass sein Blau schon längst der Himmel ist“ eine frühe Inspiration, die ich in späteren Gedichten lyrisch variierte:

 

Sommermittag

Röstet am Ufer Sand und Tang,

wird das Meer zur Sonnentränke.

Die Luft verflirrt im Möwentanz.

Fern der Horizont hat ganz vergessen,

dass sein Blau schon längst der Himmel ist.

 

(geschrieben 1954)

 

 

 

 

 

 

Jürgen Schwalm, Mai 2022 (Foto Jürgen Schwalm)

 

Freitag, 29. Juli 2022

Worte halten ihr Wort

Margret Knoop-Schellbach (1913-2004): „Das blühende Herz“, reliefierte mit Acrylfarben bemalte Metallplatte. Widmung und Signatur auf der Rückseite: „Margret Knoop-Schellbach Geschenk an Familie Dr. Schwalm zum Umzug nach Lübeck im Januar 1966“. Das Bild wurde von der süddeutschen katholischen Bauernmalerei inspiriert.

 

Jürgen Schwalm 

Worte halten ihr Wort

Zur Lyrik von Doris Runge 

Formulierungen auf den Punkt zu bringen, ohne ihren Zauber zu brechen, darauf kommt es dir an.

In ihrer Disziplin hat deine Lyrik heilende Wirkung. Denn deine Stimme vermag auch meine Gedanken aus ihrer Befangenheit zu lösen, und du kannst für mich aus meinem Wesen mit seinen Nachtschwärzen und seinen Leuchtfeuern die Quintessenz destillieren, ohne die Märchen und Mythen zu verraten, die sein Geheimnis ausmachen.

In der Alchemie verwandte man den Begriff des „Äthers“, den die Literatur übernommen hat. Du weißt um den Wert dieses Stoffes, der alle Elemente unseres Lebens infiltriert und bereichert. Du achtest ihn, indem du ihn nicht durch Definitionen entwertest.

Jedes Wort deiner Lyrik trägt Verantwortung und übernimmt die Konsequenz.

 

 

 

 

Freitag, 22. Juli 2022

Zur aktuellen Lage

Umschlagdeckel der Wiener Lesemappe vom Januar 1932 (meinem Geburtsmonat und -jahr) u.a. mit dem Werbeslogan für Darmol, den damals jeder im deutschsprachigen Raum ebenso kannte wie den „Darmol-Mann“, der zur Toilette eilt: „Nimm Darmol – Du fühlst dich wohl“. – Darmol war ursprünglich ein Phenolphthalein enthaltendes Abführmittel; die Zusammensetzung wurde im Laufe der Zeit mehrfach abgeändert. – Foto und Sammlung: Jürgen Schwalm

 

Zur aktuellen Lage


Immer und überall auf der Welt ähneln sich die Anweisungen, mit denen die Bevölkerung in Krisenzeiten zu Sparmaßnahmen aufgefordert werden sollen, auf fatale Weise.

1943, mitten in der Tragödie des Weltkrieges, lernte ich als Elfjähriger folgende Zeilen aus einer heute noch existierenden Zeitung auswendig:

Der Alltag lehrt so mancherlei,
teils ungestüm, teils nebenbei.
Zum einen, wie man Eisen spart,
das man der Rüstung aufbewahrt.
Zum andern, Tataratta-Creme
ist wirkungsvoll und angenehm,
auch wenn man wenig von ihr streicht,
damit die Packung lange reicht.

Den Namen des Produktes habe ich geändert, um keine juristischen Auseinandersetzungen loszutreten. 

Als ich meiner Mutter damals den Werbespruch vortrug, kommentierte sie die Versorgungslage trocken: 

„Tataratta-Creme ist immer schon weg, wenn ich sie brauche.Das ist wie bei meinen Seidenstrümpfen. Aber warum soll ich die schonen, wo ich doch nicht weiß, was morgen schon passiert sein kann. Laufmaschen kriegen sie sowieso alle sofort, und wann ich mal wieder zu neuen Seidenstrümpfen komme, verrät mir keiner. Also trag ich sie jetzt auf.“

Immer wieder versucht man von allen Seiten, uns beim Verbrauch lebensnotwendiger und die Lebensqualität verbessernder Produkte durch geschmeidig oder penetrant formulierte Parolen zur Einschränkung und Enthaltsamkeit aufzufordern und schließlich zu verpflichten. Es sollte aber stets bei allen Maßnahmen beachtet werden, dass die Menschen ihre Würde und ihre Rechte behalten.

Jürgen Schwalm

 

 

 

 

Freitag, 15. Juli 2022

Meiner Frau in Memoriam

Foto: Jürgen Schwalm

 

 

Jürgen Schwalm

MEINER FRAU IN MEMORIAM

 

Als ich heute Morgen aus dem Zimmer

zum Rosenstock im Garten,

den du vor deinem Tod gepflanzt,

hinübersah,

berührte mich ein Anblick jäh und zart.

 

Auch in der Nähe von dem Bild gebannt,

steh ich noch immer staunend da.

 

Es könnte ja die plötzlich aufgeblühte

dunkelrote Rose mir von dir

aus einem andern Land,

an das ich dich verlor,

als Gruß gesendet worden sein.

 

 

 

 

Freitag, 8. Juli 2022

Johann Peter Willebrandt


 
Johann Peter Willebrandt: Hansische Chronick, Lübeck 1748, Original aus der Bibliothek von Fabian Rose, Lübeck. – Die Titelblätter. Links: Kupferstich des Verfassers Willebrandt von Christian Fritzsch (1695-1769). Rechts: Vedute Lübecks von der Wakenitz aus, ebenfalls von Christian Fritzsch. Der Adler hält ein Schriftband mit der Aufschrift: DIE HANSISCHE HAUPTSTADT LUBEC. Auf der linken Gedenksäule im Vordergrund wird (in lateinischer Sprache) der „äußerst verdienstvolle“ Lübecker Bürgermeister Anton Köhler (1585-1657) geehrt, der an der Wiederherstellung und dem Erhalt der Hanse interessiert war und eine Chronik der Hanse für den Zeitraum von 1370-1630 verfasste.

 

Johann Peter Willebrandt (auch Willebrand), geboren am 10.9.1719 in Rostock, gestorben am 22.7.1786  in Hamburg, Jurist, war Advokat in Lübeck. 1755 wurde er vom dänischen König zum Justizrat und Mitglied des Pinnebergischen und Altonaer Oberappellationsgerichts sowie des Oberkonsistoriums in Glückstadt ernannt. Dies verpflichtete ihn, den Wohnsitz in Altona zu nehmen, wo er von 1757-1767 Polizeidirektor war. Danach arbeitete er als freier Schriftsteller in Hamburg. Seine Hansische Chronick, aus beglaubten Nachrichten zusammen getragen, Lübeck 1748 ist durchaus als sein Hauptwerk anzusehen.

Über die Lübecker Straße Fünfhausen wird darin wie folgt berichtet:

Die Stadt Lübeck (hatte) das Unglück, daß sie an. 1209. durch eine gewaltige Feuers-Brunst vernichtet wurde, und hält man zwar insgemein dafür, daß in dem damahligen grossen Brande nur fünf Häuser sollen unversehret geblieben seyn, davon die Gasse, neben St. Marien=Kirchhofe, so von der Mengstrasse nach der Beckergrube hinabführet, den Nahmen Vyffhusen oder Funfhausen, soll bekommen haben, wie davon auch folgende alte Verse zeugen:

Anno milleno, ducenteno quoque nono,

In Viti festo, Lubek perit igne molesto;

Quinque tamen aedes remanserunt ibi stantes.

Allein, die gemeine Sage von den überbliebenen fünf Häusern hat nicht allzu festen Grund, sintemahl der Nahme Vyfhusen lange vor an. 1209. schon zu Lübeck bekannt, und bereits im XII. Seculo ein vornehmer Geschlechts-Nahme gewesen ist. Denn an.1188. hat daselbst zu Rath gesessen Hermannus de Vyfhusen, und in eben solcher Würde hat sich an. 1190 Wolterius de Vyfhusen befunden. Dass wir nicht gedencken Hrn. Thomae de Vyfhusen, welcher an. 1200 gelebt, und dessen Haus an. 1242 an Nicolaum de quinque domibus, Vromoldi Schwieger=Sohn, gekommen ist. Da nun solchergestalt der Nahme Vyfhusen lange vor dem angeregten grossen Brande schon zu Lübeck im Gebrauch gewesen; so kann er nicht bey der Gelegenheit allererst entstanden seyn, sondern es muß albereits vorher, entweder die Strasse Vyfhusen dem Geschlechte, oder das Geschlecht der Strasse solchen Nahmen ertheilet haben. Ja vielleicht ist die hiesige Strasse, die schon lange Vyfhusen geheissen, in dem grossen Brande unversehret geblieben, und daher obgedachte Tradition entstanden.   

Freitag, 1. Juli 2022

Buchvorstellung beim 339. Literarischen Frühschoppen des Lübecker Autorenkreises am 26.06.2022

Theodor Schwalm: „Deutsche Mittelgebirgslandschaft“, signiert, o. D. - Besitzer: Jürgen Schwalm. Sein Großvater malte zwar altmeisterlich realistisch, aber niemals naturgegebene Aspekte, sondern stets ideale Landschaften. So scheint auf diesem Bild der Waldweg auf eine Burg hinzuführen, die in der Ferne in zarten Umrissen erahnt werden kann. Die Burg erinnert „entfernt“ an die Wartburg, sie ist es aber nicht (siehe hierzu meine Ausführungen in „Arthur Fitger und Theodor Schwalm – Dokumente einer Künstlerfreundschaft in Bremen“).
 
  

Am 26. Juni 2022 stellte Jürgen Schwalm beim 339. Literarischen Frühschoppen des Lübecker Autorenkreis seine in den letzten Jahren bei Seemann Publishing veröffentlichten Bücher vor.

1. Arm in Arm und Wort für Wort – Gedichte aus sechs Jahrzehnten

2. Wort und Bild und Kunst und Leben – Einfälle zu Vorfällen

3. Arthur Fitger und Theodor Schwalm – Dokumente einer Künstlerfreundschaft in Bremen

Aus dem Abschnitt „Ketzereien“ des letztgenannten Buches las Jürgen Schwalm u.a. : „Die Milch der Gottesmutter – Glaube und Aberglaube“, „Das Mirakel“ und „Eine Heiligenlegende“.