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| Foto: Marina Warnick |
| Jürgen Schwalm: Ewige Blüte, Hinterglasmalerei |
Jürgen Schwalm
Avant de mourir*
Nächtliche Tangoschritte
Liebevolle Erinnerungen
auf den Saiten der Violine verhaucht
Könnte mich als letztes Geschenk
diese Melodie
den jähen Abschied von dir
vergessen lassen
Würden diese schlichten Klänge
wenn ich dich
wo auch immer
wiedergefunden hätte
unseren Begrüßungskuss begleiten
dann bäte ich das Lied
weiter mit uns zu tanzen
über den Tod hinaus
*Tango von Georges Boulanger (1893-1958)
Das Gedicht steht in dem Lyrik-Band von
Jürgen Schwalm: Arm in Arm und Wort für Wort
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| Jürgen Schwalm: An einem Sommertag um halb zwölf; Hinterglasmalerei |
Jürgen Schwalm
Gartenlust
Viele Religionen beginnen mit und in einem Garten und enden mit der Sehnsucht
ihrer Anhänger, in diesen ersten Garten heimkehren zu dürfen. Freilich: Die Pforten
vor allen Paradiesen sind meist verschlossen oder zu eng. Aber wir Weltenwanderer
sollten die Hoffnung nie aufgeben. Denn warum sollte das, was in einem Garten
verloren ging, denn schließlich in einer Gartenlust nicht wieder eingelöst werden
können?
(aus: Jürgen Schwalm: „Der Lebensbaum“, Betrachtungen)
| Jürgen Schwalm: Das Geheimnis der Bastet. 2013 |
Jürgen Schwalm
Bastet
Altägyptische Erinnerung
Aus der Tünche der Pharaonenjahre, den unverblichen Sedimenten
einstiger Nilsommer, löst du dein gemaltes Profil, erinnerst die
Gefolgschaft der Katzen wieder an die strenge Eleganz deiner
Inszenierungen.
Deine Träume, Königin-Göttin, sträuben dein Fell. Unter dem Baldachin der Papyrosschirme sammelt dein samten-graziöser Schritt wieder die alten Würden ein.
Du schiebst das Muster deiner Ornate auf mich zu, ordnest die
Weichheit deiner Haare um mich her, aber die Lanzen deiner Krallen
impfen mich mit Schlägen, treiben mich in deinen Blick und durch die
Iristore in deine Tempelstadt, tief nach unten, zum Blutopfer im
steinernen Verlies.
(aus: Archaische Träume)