Samstag, 8. Oktober 2016

Anton Bruckner - Neunte Sinfonie

Jürgen Schwalm: Die Pyramide, Hinterglasmalerei, 2013




Vor 120 Jahren, am 11. Oktober 1896, starb Anton Bruckner in Wien.


Jürgen Schwalm
Anton Bruckner – Neunte Sinfonie

…ich streue die Asche grauer Gedanken über die Sternblüten,
und in dunkler Nacht, wenn die Welt mich nicht mehr stören kann,
setz ich Note gegen Note – Punctum contra punctum –
wie ich’s gelernt hab, und diplomiert ist es auch,
das stopf ich dem Brahms in den Hals
und dem HERRN HERRN Wagner leg ich’s untertänigst zu Füßen…

… und wie ich sie schreib, da hör ich sie, die Musik
auf der Orgel in Sankt Florian mit allen Registern,
die ich ziehe, mit großem Orchester,
den Fanfarenschrei der letzten Stunde,
den stampfenden Rhythmus der Höllenmaschinen,
die brausende Himmelfahrt, die jubelnden Himmelschoräle…

… da taste ich im Nebelfall zurück, wo einst der Sonnenwirbel zuckte, bevor der Sommer starb… ach, meine einsamen Sommer,
meine Herbsttage, in denen die Zeitlose fahlte…

… und nun lausche ich, wie die Totenuhr pocht im Gebälk,
und forme, Wurm, der ich bin und dennoch stolz in meiner Schwäche,
Takt für Takt und Satz für Satz mein letztes GEBET…

…für DICH, LIEBER GOTT…
…denn die LIEBE ist…






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