Montag, 5. Oktober 2026

Überraschungsphänomen Wiederentdeckung

Jürgen Schwalm:  Das Konzert der Rosen, Foto

 

Das Überraschungsphänomen der Wiederentdeckungen. Es ist immer noch möglich, dass längst verloren Geglaubtes auftaucht. Im Nachlassverzeichnis Johann Sebastian Bachs von 1750 wird die dreibändige, von Johann Abraham Calovius kommentierte Bibelausgabe Luthers von 1681 aufgeführt. Das Exemplar galt als verloren, aber „habent sua fata libelli“, wie Terentius Maurus sagte. 1969 wurde das Buch erstaunlicherweise in einer amerikanischen Bibliothek wiedergefunden. Es trägt den eigenhändigen Besitzvermerk Bachs

JSBach 1733

und somit blieb als einziges im Nachlass erwähntes Werk wenigstens Bachs Bibel erhalten. Welch großer Trost, dass nicht doch alle Bücher am Ende zum Einwickeln von Heringen zerrissen, in den Ofen gestopft oder als Tapetenunterlage verkleistert wurden, denn das war nicht so selten ihr Schicksal. Den Fund der Bibel verdanken wir Christoph Trautmann, der darüber Studien publizierte. Das Exemplar ist deswegen für die Forschung so wertvoll, weil Bach es mit Eintragungen und Unterstreichungen versah. Die schönste Randbemerkung machte Bach im 2. Buch der Chronik Kapitel 5 bei Vers 13 Und es war, als wäre es einer, der drommetete und sänge, als hörte man eine Stimme loben und danken dem Herrn. Und da die Stimme sich erhob von den Drommeten, Zimbeln und Saitenspielen und von dem Loben des Herrn, daß er gütig ist und seine Barmherzigkeit ewig währet, da ward das Haus des Herrn erfüllt mit einer Wolke.

Bach schrieb daneben:

Bey einer andächtig Musig ist allzeit Gott mit seiner Gnaden Gegenwart.

Diesen Ausspruch hat Karl Geiringer in seinem Buch „Johann Sebastian Bach“ (Beck-Verlag München 1971) der Werkbeschreibung vorangestellt.

   .                                                                                                               Jürgen Schwalm

 

 

 

 

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