Jürgen Schwalm
Brunnen
Mythisch ist der Beginn. Es gibt Traumbrunnen und Orakelquellen,
Brunnen des Erinnerns und Quellen des Vergessens. Durch manche
Brunnen steigt man in ein Märchenland. Trocknet der Brunnen aus, naht der Tod.
Andererseits sind Brunnen heiteres Spiel, das sich zur Apotheose des
Wassers aufschwingt mit dem Ballett der Wassertropfen, die bemooste
Steinfiguren umtanzen bei rauschender Musik und rasch gewechselten
Flüsterworten.
Der prosaische Brunnen der Wüste berechnet den Wert des kostbaren
Wassers, der lyrische Brunnen im Park besingt seinen freudebringenden Überfluss.
(aus: Der Lebens-Baum, Betrachtungen)

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