Jürgen Schwalm
Der französische Park im Barock
Französische Gartenanlagen boten das Wege-Parkett für geschliffene Dialoge; die
verzwickten Labyrinthe waren für infame Intrigen und spitze Duelle geeignet; die
geometrischen Muster der Beete für diplomatische Schachzüge, die gestutzten
Boskette für das höfische Protokoll.
Rauschende Fontänen waren eifrige Plaudertaschen, jede Konversation wurde an
die andere verraten. Dieser Landschaft, wo die Natur parfümiert wurde und die
Künstlichkeit triumphierte, blieben keine menschlichen Laster erspart, obgleich (oder
weil?) so viele Götterbilder aus den Kulissen schielten. Unter dem Goldflitter der
Sonne und dem Silberlametta des Mondes, die den Etat, dem Himmel sei Dank, nicht
belasteten, parodierte der Park die Welt des Monarchen, der unter seinen
Laubkronen immer ernst blieb und noch nicht einmal zu bemerken vorgab, dass er
auf diesem Heckentheater die Hauptrolle spielte. Denn wer über sich lacht, stellt sich
selbst in Frage. Erst viele Jahresringe später sprengte die französische Flora ihre
aristokratischen Fesseln in einer gewaltigen botanischen Revolution. Danach war sie
wieder tugendhaft. Sie wuchs zu einem neuen Park zusammen – jetzt allerdings zu
einem englischen.
verzwickten Labyrinthe waren für infame Intrigen und spitze Duelle geeignet; die
geometrischen Muster der Beete für diplomatische Schachzüge, die gestutzten
Boskette für das höfische Protokoll.
Rauschende Fontänen waren eifrige Plaudertaschen, jede Konversation wurde an
die andere verraten. Dieser Landschaft, wo die Natur parfümiert wurde und die
Künstlichkeit triumphierte, blieben keine menschlichen Laster erspart, obgleich (oder
weil?) so viele Götterbilder aus den Kulissen schielten. Unter dem Goldflitter der
Sonne und dem Silberlametta des Mondes, die den Etat, dem Himmel sei Dank, nicht
belasteten, parodierte der Park die Welt des Monarchen, der unter seinen
Laubkronen immer ernst blieb und noch nicht einmal zu bemerken vorgab, dass er
auf diesem Heckentheater die Hauptrolle spielte. Denn wer über sich lacht, stellt sich
selbst in Frage. Erst viele Jahresringe später sprengte die französische Flora ihre
aristokratischen Fesseln in einer gewaltigen botanischen Revolution. Danach war sie
wieder tugendhaft. Sie wuchs zu einem neuen Park zusammen – jetzt allerdings zu
einem englischen.
(aus Therese Chromik und Bodo Heimann: Poetische Gärten, Husum 2008)
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