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Vom Regen niedergedrückte Herbstzeitlosen, Foto: Jürgen Schwalm, 2020 |
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| Jürgen Schwalm: “Der Stoff, aus dem die Träume sind”, Hinterglasmalerei über Baumwollstoff, 2005 |
Jürgen Schwalm
Der Stoff, aus dem die Träume sind (3)
Was geschieht in unseren Träumen? Oft werden wir in unseren Nächten ans Kreuz geschlagen und reißen uns an den Nägeln wund.
Am Rand unserer Träume sind wir aber manchmal auch in der Lage, erstaunliche oder komische Definitionen zu finden und in den Wachzustand zu retten.
Traum im Jahr 2004 (kurz vor dem Erwachen): In einer Bretterbude ringt ein Schauspieler pathetisch die Hände und sagt in sächsischem Idiom: „Dialekt schafft Intellekt.“ Ich erwachte unter meinem eigenen lauten Gelächter.
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| Jürgen Schwalm: “Träumen von Bäumen”, Fotostudie, 2020 |
Jürgen Schwalm
Der Stoff, aus dem die Träume sind (1)
Im September 1997 protokollierte ich sofort nach dem Erwachen folgenden Traum:Zwei dicht nebeneinanderstehende Bäume (sie heißen im Schlaf „A-horn“ – mit der Betonung auf „horn“) die sich in den Armen liegen, tauschen mit den Fingerspitzen ihrer Zweige unter einem Laubschirm (Laubschild) Nachrichten aus. Die Nachrichten sehen wie Nüsse aus. Die Blätter der Bäume schließen sich um die Nüsse, und wenn sie sich nach einer Weile wieder öffnen, sind die Nüsse verschwunden, weil sie verdaut wurden. Ich bin sehr zufrieden, weil ich weiß, dass die Nüsse die Erbmasse sind und dass die Bäume den „Austausch“ im Gegensatz zu den Menschen erstmals nach vierzig Jahren unter dem Schirm (Schild) betreiben, wenn sie genügend Erdbeeren, Erbsen und Eckern gesammelt haben, damit ihnen bessere Kinder gelingen. „Der Spinat fürs Leben schmeckt den Kindern dann auch besser“, sagt jemand.
Ich erwachte mit dem Gefühl, tiefschürfende Erkenntnisse gewonnen zu haben.
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| Jürgen Schwalm: Das Symbol der ärztlichen Kunst: Der Äskulapstab. – Hinterglastechnik, 2019 |
Jürgen Schwalm
Pathographien
Die Pathographien, die Ärzte über Künstlerpersönlichkeiten verfertigen, zeigen nicht selten selbst pathologische Auswüchse. Die Verbindung von Kunst und Krankheit ist ein heikles Thema. Wie schnell ist man da beim Begriff der krankhaften und am Ende wieder der entarteten Kunst unseligen Angedenkens.
Manchmal sind pathographische Fehldeutungen aber nur lächerlich. Es ist bekannt, dass der Maler Dominikos Theotokópoulos, genannt El Greco (1547- 1614), die Personen seiner Bilder häufig mit überlangen Körpern und Gesichtern darstellte. Nachdem der Künstler bereits dreihundertfünfzig Jahre tot war, attestierten ihm Ärzte, er hätte an einer organischen Sehstörung, nämlich an einem Astigmatismus, zu deutsch: an einer Stabsichtigkeit gelitten, bei der infolge einer Hornhautverkrümmung Punkte als Striche wahrgenommen und Linien verzerrt gesehen werden. Hätte man damals El Greco schon eine entsprechende Korrekturbrille verpassen können, dann wären die Proportionen auf seinen Bildern „korrekter“ ausgefallen.
O sancta simplicitas! Ein Individual-Stil muss nicht die Folge eines Sehfehlers des Künstlers sein, und Ärzte sollten erst einmal selbst die richtige Brille aufsetzen, bevor sie Pathographien schreiben.
(aus: Der Lebens-Baum)
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| Jürgen Schwalm: “Was hinter Worten steckt”, Fotostudie, 2020 |
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Günther Kressl:
Moor-Landschaft. Gez. Günther Kressl 29/1/88 –
Jürgen (Schwalm) einen
herzlichen Geburtstagsgruß
mit einer
Moor-Landschaft auf seinem Briefumschlag Dein Günther
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