Sonntag, 17. Mai 2015

"Ich bin ein altes Krokodil" - Vortrag Fr., 22. Mai 2015

Jürgen Schwalm: Ein Lied aus alten Tagen ( Hinterglastechnik, Ausschnitt, 2007)

 

Reformierte Kirche (Lübeck, Königstraße 18)
Freitag, 22. Mai 2015, 19.00 Uhr

Sonderveranstaltung zum 200. Geburtstag des Lübecker Dichters und Ehrenbürgers Emanuel Geibel

Vortrag Dr. Jürgen Schwalm: „Ich bin ein altes Krokodil“ 
Geibels Biographie nach Selbstzeugnissen
und zeitgenössischen Berichten

Ur-Aufführung des Schul-Songs der „Emanuel-Geibel-Schule“

Fackenburger Liedertafel (Ltg.: Michael P. Schulz)
Lübecker Männerchor (Ltg.: Henning Zarnkow)
Musiktheater PicoBello (Ltg.: Michael Knoll)

Eintritt: 10,- €

 


Sonntag, 3. Mai 2015

Nachspann für Marlene Dietrich




Jürgen Schwalm: “Das Vermächtnis einer Diva”, 
Collage (Papier, Stoff, Schallplatte, Stecknadeln, Perlmuttknopf), 2003


Jürgen Schwalm

Nachspann für Marlene Dietrich


Flucht in die Kino-Höhle der Zarin aus Schneekälte und Flockenfall vom Pferdeschlitten direkt über die Klinge gesprungen in den scharlachroten Sesselplüsch - zum Star aus dem Sternberg Paramount dort droben - in den Palast der Wunder zum Andachtsbild mit diesem Namen aus Heimatlied und Peitschenknall -
Porzellan aus Berlin schlägt keine Zeit kaputt aus Hass oder Liebe –
Haut ohne Craquelé faltenlos immerdar und das Licht steht stets hoch im Norden über den dunklen Buchten der Wangen wachsblumenrot -
Da welken die Locken nie - nie wird der Puder zu Staub unter den Lampen -
Aber manchmal löscht sie das Licht auch aus wenn der Vorhang ihrer Lider fällt halbseiden mit langen Fransen und der Sahnelöffel der Zungenspitze von der Erdbeerspeise der Lippen nascht –
Nach zwanzig Uhr Kino-Zeit wachsen ihre Absichten mit den Absätzen -
Je tiefer sich die Nacken beugen unter ihrem aufgesetzten Schuh desto lauter stöhnen die Verehrer auf und prügeln sich im Backroom hinter der Bar -
Doch welch großer Bluff denn nie fließt Blut dabei und der Zylinder bleibt immer auf ihrem Kopf -
Ja Köpfchen muss man behalten und das Gefühl am rechten Fleck und hinter den Kulisssen den Koffer für den Einsatz an vorderster Front und pünktlich die Klamotten zum Zapfenstreich wenn die GI’s sie auf ihre Schultern heben –
Nicht kleinzukriegen diese Korsage gummielastisch - aderlos auf ewig unverkrampft diese Beine -
Diese Stimme mit dem Geigenbogen über Sägezähne wund gestrichen -


(aus: „Das Visier der Jugend“, in: Almanach deutschsprachiger Schriftsteller-Ärzte, Jg. 2015)




Montag, 20. April 2015

"Litterärisches Gespräch" 30.04.2015 in Lübeck


Jürgen Schwalm: Très chic, Hinterglasmalerei über Stoff (Papillon, Filz), 2008



Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit

Königstraße 5, 23552 Lübeck

Donnerstag, 30. April 2015, 19.30 Uhr

Litterärisches Gespräch

Jutta Kähler, Jürgen Schwalm 

 

Peter Panter, Theobald Tiger, Ignaz Wrobel und Kaspar Hauser =

Kurt Tucholsky


Einblicke in Leben und Werk des Journalisten, Satirikers, Essayisten, Literatur- und Theaterkritikers, Erzählers und Lyrikers



Jede Zeit hat den Kritiker, den sie verdient… Kurt Tucholsky besitzt Leidenschaft, Kühle, Pathos, Ironie, Hass und Witz. Und das beste ist, dass seine Leidenschaft sich am unmittelbarsten im Witz, sein Pathos sich am elementarsten in der Ironie überträgt. Tucholskys Formulierungstalent ist außerordentlich. Aber die Pointe selbst, ihre Zuspitzung, ihre refrainhafte, leitmotivische Wiederholung ist nicht das Wesentliche. Das Wesentliche ist der ethische Wille, der dahinter steht… Herbert Ihering, 1920



- Der Eintritt ist frei -




Samstag, 4. April 2015

"Auf frühlingsgrünen Feldern"


Jürgen Schwalm: “Auf frühlingsgrünen Feldern”, Hinterglasmalerei über bemaltem Frotteestoff, 2011



Der Hase stellt die Ohren auf
 um zu erlauschen
wie der Frühling sein Ei legt

Zwischen gestern und Ostern
brüten die Farben aus
und zwitschern neue Bilder



aus: Jürgen Schwalm
Vernissage - Bilder einer Ausstellung
 Th. Breit - Verlag Marquartstein 1990





Samstag, 21. März 2015

"Du scheues Reh am Waldessaum" - Vortrag 2. April 2015 Rosenhof Lübeck-Travemünde

Das Kaiser-Wilhelm-Denkmal an der Porta Westfalica, 1892-1896 erbaut durch die Provinz Westfalen, Architekt: Bruno Schmitz, Kaiserstandbild: Caspar von Zumbusch. Kolorierter Fotodruck mit irisierenden Farbpigmenten in einem Kunstharzrahmen, der Opal imitiert. Monarchistischer Denkmalskitsch, zusätzlich weiter verkitscht durch die Art der Wiedergabe (um 1900).



Rosenhof Lübeck-Travemünde, 

Mecklenburger Landstraße 2-12


Gründonnerstag, 2. April 2015, 15.30 Uhr

Vortrag von Dr. Jürgen Schwalm:

Du scheues Reh am Waldessaum
oder
Kitsch treibt die schönsten Blüten


Variieren wir die Gretchen-Frage in: „Nun sag, wie hast du’s mit dem Kitsch?“ Das ist nämlich auch eine Glaubensfrage. Kitsch sprießt überall und immerfort. Die einen kultivieren ihn. Die anderen lachen ihn aus und können ihn doch nicht entbehren. Selbst Kitsch-Abstinenzler verstecken ihre rauschgoldenen Schutzengelein tief im Herzenskämmerlein. Denn keiner hat ein Herz aus Stein (eher aus Plastik).
 








Samstag, 28. Februar 2015

Kalendarium

Jürgen Schwalm: “Gedankenflüge” (Detail), Collage, 2003


Kalendarium


Unsere gemeinsamen Jahre waren Geschenke des Himmels. Er schickte seine sanften Tauben; sie flogen bei uns ein und aus. Jeden Morgen pflückten sie einen Freibrief vom Baum des Lebens, reichten uns den kommenden Tag durch das geöffnete Fenster und gewährten uns eine neue Frist.
Wir haben viele Blätter vom Baum des Lebens beschrieben und verwahrten sie im Herzen, in diesem schönen Sperrfach unserer Erinnerung, zu dem wir die Schlüssel nie verloren haben.
Manche Blätter warfen wir in die Sonne. Im Frühling segelten sie wie Schmetterlinge. Anfangs entdeckten wir darin kein Wunder. Später staunten wir jedes Jahr aufs Neue, dass es diese Leichtigkeit noch gab; wir sahen, wie die Wolken sich auflösten, wie die blaue Brücke des Himmels uns immer wieder dem Licht entgegentrug. Mitten im Sommer konnte aus unseren Plänen noch Feuer schlagen.
Aber es gab auch viele Blätter, die wir unbeschrieben ließen. Wir hängten sie in den Mond. Jetzt werden unsere Nächte kalt; wir gerieten in den tiefsten Winter.
Verlassen uns nun auch die Träume? Wir klagen in der Dunkelheit. Soll hier alles enden? Ob die Tauben morgen noch die Kraft haben, durch unsere Fenster ein- und auszufliegen mit den Freibriefen vom Baum des Lebens?
Auf solche Fragen gibt es nur die Antwort der Gnade.


Jürgen Schwalm





Dienstag, 3. Februar 2015

Die Wohnungen der Engel sind immer in den Himmeln, die wir ihnen in den eigenen Herzen bereiten

Jürgen Schwalm: Archaische Träume (Detail), Glasmalerei, 2004 



Wenn in der großartigen Bach-Kantate zum Michaelistag „Es erhub sich ein Streit“ (BWV 19) gesungen wird:

"Bleibt, ihr Engel, bleibt bei mir!

Führet mich auf beiden Seiten,

dass mein Fuß nicht möge gleiten“,

dann wird in dieser barock bewegten und dadurch bewegenden Anrufung der Beistand von Boten erfleht, deren Existenz geistige Realität ist. Schon das darauffolgende Jahrhundert mit seinem mechanistischen Denken sah in den Engeln vorzugsweise vordergründig nur noch Phantasiegestalten einer Kindermärchenwelt, die heute nach wie vor gerne zu Weihnachtskitsch verzuckert werden.

Es ist immer sinnvoll, der Sprache auf den Grund zu gehen. ENGEL kommt vom griechischen Wort Angelos = Bote. Boten können gute oder schlechte Nachrichten übermitteln, aber sie handeln stets in höherem Auftrag. Engel sind Boten der Mächte, die unser Geschick bewahren und leiten. Sie nahen in vielen Gestalten. In der Antike waren sie Götterboten. Als Gesandte des Gottes der Christenheit verkündigen sie das „Ev-Angelium“, die „gute Botschaft“. So brachte der Erzengel Gabriel Maria den göttlichen Gruß. Gute Botschaften empfangen wir gerne, aber wir müssen auch solche Botschaften annehmen, die uns belasten. Da ist es eine Gnade, dass die Engel, die uns heimsuchen, uns auch dienen dürfen.

Es gibt die WAHRHEIT DER ENGEL. Um diese Einsicht muss allerdings immer wieder gerungen werden. Von ihrer Botschaft zutiefst getroffen, ja verletzt zu werden, bedeutet für uns die Rettung aus den Abgründen des Lebens. Wir sind verloren, wenn wir die Engel leugnen. Wir können sicher sein, dass in unserer immer wieder bedrohten Welt Mächte wirken, die uns führen und bergen. Wir können nur überdauern, wenn wir den Kräften der Engel vertrauen, wenn wir die Engel mit ihrem Ev-Angelium bei uns einkehren lassen. DIE WOHNUNGEN DER ENGEL SIND IMMER IN DEN HIMMELN, DIE WIR IHNEN IN DEN EIGENEN HERZEN BEREITEN. 


Jürgen Schwalm