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| Jürgen Schwalm: Dramatische Landschaft, Pastellfarben, 2006 |
Jürgen Schwalm
Gedichte vom Ende und Anfang
(geschrieben 1988)
Am Ende dunkler Zeiten
Einmal doch am Ende dunkler Zeiten
wird die Erde wieder singen.
Die Wälder werden an die Berge branden,
als grüne Flut in Sturm und Sonne tanzen.
Der Himmel hört das Lied
und wiegt es wie im Anbeginn
als Kindervers, befreit von Not und Schuld.
Er, der jetzt festlich groß erblaut,
nennt keine Zahl mehr, kein Verbot,
er hat das Sühnemaß vergessen;
und wenn nach allen schweren Tagen
die Stunde unsrer Neugeburt gekommen ist,
wird er die Arme wieder um uns schließen.
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| Rosenblüten – Foto: Jürgen Schwalm,
2012 |
Jürgen Schwalm
Gedichte vom Ende und Anfang
(geschrieben 1988)
Der letzte Raum
Wenn dir nur ein Tisch bleibt,
ein Stuhl,
und schließlich allein das Bett -
Wenn die Totenuhr pocht –
Wenn dann die Stunde naht,
in der das große Geheimnis
für dich enthüllt wird –
Wenn im letzten Raum
schließlich nur noch Blüten,
die ein tiefer Traum
über dein Bett streut,
die Atemzüge zählen -
Jedes Blatt
zeigt dir noch einmal Augenblicke,
die du erlebt hast;
sie sind nicht mehr Sommer,
aber leuchtende Erinnerungen -
Hab’ keine Angst:
Von nun an
welkt nichts mehr ab
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| Jürgen Schwalm: “Der Herbst”, Collage, 2001 |
Jürgen Schwalm
Gedichte vom Ende und Anfang
(geschrieben 1988)
Das abgelebte Gestern
Das abgelebte Gestern.
Meine Einsamkeit.
Der Rost des Abends.
Hinter kahlem Geäst die Kälte.
Wenn ich wüsste,
ob ich dich morgen
noch rufen kann,
das wäre Beschränkung.
Das Heute wundert sich,
wie es möglich ist:
Deine Hand findet meine Hand.
Ich spüre deine Wärme.
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| Jürgen Schwalm: “Der Stoff, aus dem die Träume sind”, Hinterglasmalerei über Baumwollstoff, 2005 |
Jürgen Schwalm
Der Stoff, aus dem die Träume sind (3)
Was geschieht in unseren Träumen? Oft werden wir in unseren Nächten ans Kreuz geschlagen und reißen uns an den Nägeln wund.
Am Rand unserer Träume sind wir aber manchmal auch in der Lage, erstaunliche oder komische Definitionen zu finden und in den Wachzustand zu retten.
Traum im Jahr 2004 (kurz vor dem Erwachen): In einer Bretterbude ringt ein Schauspieler pathetisch die Hände und sagt in sächsischem Idiom: „Dialekt schafft Intellekt.“ Ich erwachte unter meinem eigenen lauten Gelächter.