Freitag, 15. Juli 2022

Meiner Frau in Memoriam

Foto: Jürgen Schwalm

 

 

Jürgen Schwalm

MEINER FRAU IN MEMORIAM

 

Als ich heute Morgen aus dem Zimmer

zum Rosenstock im Garten,

den du vor deinem Tod gepflanzt,

hinübersah,

berührte mich ein Anblick jäh und zart.

 

Auch in der Nähe von dem Bild gebannt,

steh ich noch immer staunend da.

 

Es könnte ja die plötzlich aufgeblühte

dunkelrote Rose mir von dir

aus einem andern Land,

an das ich dich verlor,

als Gruß gesendet worden sein.

 

 

 

 

Freitag, 8. Juli 2022

Johann Peter Willebrandt


 
Johann Peter Willebrandt: Hansische Chronick, Lübeck 1748, Original aus der Bibliothek von Fabian Rose, Lübeck. – Die Titelblätter. Links: Kupferstich des Verfassers Willebrandt von Christian Fritzsch (1695-1769). Rechts: Vedute Lübecks von der Wakenitz aus, ebenfalls von Christian Fritzsch. Der Adler hält ein Schriftband mit der Aufschrift: DIE HANSISCHE HAUPTSTADT LUBEC. Auf der linken Gedenksäule im Vordergrund wird (in lateinischer Sprache) der „äußerst verdienstvolle“ Lübecker Bürgermeister Anton Köhler (1585-1657) geehrt, der an der Wiederherstellung und dem Erhalt der Hanse interessiert war und eine Chronik der Hanse für den Zeitraum von 1370-1630 verfasste.

 

Johann Peter Willebrandt (auch Willebrand), geboren am 10.9.1719 in Rostock, gestorben am 22.7.1786  in Hamburg, Jurist, war Advokat in Lübeck. 1755 wurde er vom dänischen König zum Justizrat und Mitglied des Pinnebergischen und Altonaer Oberappellationsgerichts sowie des Oberkonsistoriums in Glückstadt ernannt. Dies verpflichtete ihn, den Wohnsitz in Altona zu nehmen, wo er von 1757-1767 Polizeidirektor war. Danach arbeitete er als freier Schriftsteller in Hamburg. Seine Hansische Chronick, aus beglaubten Nachrichten zusammen getragen, Lübeck 1748 ist durchaus als sein Hauptwerk anzusehen.

Über die Lübecker Straße Fünfhausen wird darin wie folgt berichtet:

Die Stadt Lübeck (hatte) das Unglück, daß sie an. 1209. durch eine gewaltige Feuers-Brunst vernichtet wurde, und hält man zwar insgemein dafür, daß in dem damahligen grossen Brande nur fünf Häuser sollen unversehret geblieben seyn, davon die Gasse, neben St. Marien=Kirchhofe, so von der Mengstrasse nach der Beckergrube hinabführet, den Nahmen Vyffhusen oder Funfhausen, soll bekommen haben, wie davon auch folgende alte Verse zeugen:

Anno milleno, ducenteno quoque nono,

In Viti festo, Lubek perit igne molesto;

Quinque tamen aedes remanserunt ibi stantes.

Allein, die gemeine Sage von den überbliebenen fünf Häusern hat nicht allzu festen Grund, sintemahl der Nahme Vyfhusen lange vor an. 1209. schon zu Lübeck bekannt, und bereits im XII. Seculo ein vornehmer Geschlechts-Nahme gewesen ist. Denn an.1188. hat daselbst zu Rath gesessen Hermannus de Vyfhusen, und in eben solcher Würde hat sich an. 1190 Wolterius de Vyfhusen befunden. Dass wir nicht gedencken Hrn. Thomae de Vyfhusen, welcher an. 1200 gelebt, und dessen Haus an. 1242 an Nicolaum de quinque domibus, Vromoldi Schwieger=Sohn, gekommen ist. Da nun solchergestalt der Nahme Vyfhusen lange vor dem angeregten grossen Brande schon zu Lübeck im Gebrauch gewesen; so kann er nicht bey der Gelegenheit allererst entstanden seyn, sondern es muß albereits vorher, entweder die Strasse Vyfhusen dem Geschlechte, oder das Geschlecht der Strasse solchen Nahmen ertheilet haben. Ja vielleicht ist die hiesige Strasse, die schon lange Vyfhusen geheissen, in dem grossen Brande unversehret geblieben, und daher obgedachte Tradition entstanden.   

Freitag, 1. Juli 2022

Buchvorstellung beim 339. Literarischen Frühschoppen des Lübecker Autorenkreises am 26.06.2022

Theodor Schwalm: „Deutsche Mittelgebirgslandschaft“, signiert, o. D. - Besitzer: Jürgen Schwalm. Sein Großvater malte zwar altmeisterlich realistisch, aber niemals naturgegebene Aspekte, sondern stets ideale Landschaften. So scheint auf diesem Bild der Waldweg auf eine Burg hinzuführen, die in der Ferne in zarten Umrissen erahnt werden kann. Die Burg erinnert „entfernt“ an die Wartburg, sie ist es aber nicht (siehe hierzu meine Ausführungen in „Arthur Fitger und Theodor Schwalm – Dokumente einer Künstlerfreundschaft in Bremen“).
 
  

Am 26. Juni 2022 stellte Jürgen Schwalm beim 339. Literarischen Frühschoppen des Lübecker Autorenkreis seine in den letzten Jahren bei Seemann Publishing veröffentlichten Bücher vor.

1. Arm in Arm und Wort für Wort – Gedichte aus sechs Jahrzehnten

2. Wort und Bild und Kunst und Leben – Einfälle zu Vorfällen

3. Arthur Fitger und Theodor Schwalm – Dokumente einer Künstlerfreundschaft in Bremen

Aus dem Abschnitt „Ketzereien“ des letztgenannten Buches las Jürgen Schwalm u.a. : „Die Milch der Gottesmutter – Glaube und Aberglaube“, „Das Mirakel“ und „Eine Heiligenlegende“.

 

 

 

 

 

Freitag, 24. Juni 2022

Arthur Fitger und Theodor Schwalm - Dokumente einer Künstler-Freundschaft in Bremen

Coverbild: Ölgemälde von Theodor Schwalm „Waldlandschaft“, signiert, o. D.

 

Soeben erschien bei Seemann-Publishing die Neufassung der Abhandlung

 Jürgen Schwalm: Arthur Fitger und Theodor Schwalm

Dokumente einer Künstler-Freundschaft in Bremen

ISBN: 9798835898732

Zitate aus der Vorbemerkung: Theodor Schwalm (1870-1940), der Großvater des Verfassers, war in den Jahren 1881-1885 Zögling des St. Petri-Waisenhauses in Bremen. Dort wurde Arthur Fitger (1840-1909) auf den mittellosen Jungen aufmerksam. Fitger, der im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts vielbeschäftigte und berühmte Maler-Dichter Bremens, dessen Werke heute wieder zunehmend Beachtung finden, schulte und förderte Theodor Schwalms künstlerische Talente und setzte den befähigten Dekorations- und Kunstmaler später oft und gerne bei eigenen Aufträgen als Mitarbeiter ein. Beide verband eine herzliche Künstlerfreundschaft. Theodor Schwalm erinnerte sich stets dankbar an Arthur Fitger, dessen väterliche Autorität seine Laufbahn so entscheidend beeinflusste. Arthur Fitger und Theo Schwalm lebten in sehr unterschiedlichen sozialen Verhältnissen. Es lag dem Verfasser daran, diese konträren Lebensbedingungen aufzuzeigen, die durch Fitgers Persönlichkeit immer wieder überbrückt wurden. Der Essay bleibt historisch dokumentarisch, klammert aber Anekdotisches nicht aus…

Die Veröffentlichung von Jürgen Schwalm kostet als Taschenbuch € 12,90 und in gebundener Ausgabe € 18,40 und kann über die AMAZON-Verkaufsseite bestellt und bezogen werden:

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Freitag, 17. Juni 2022

Gebunden

Wandkachel „Vogel auf blauem Grund“, Geschenk aus dem Jahre 1978, Sammlung und Foto: Jürgen Schwalm

 

Jürgen Schwalm

 

Gebunden

 

Ich war gefangen

ein Vogel

im Käfig deines Herzens

 

Das Auf und Ab

meiner Flügelschläge

traf dein Gewissen

 

Da öffnetest du die Tür

und ich flog davon

 

Aber du flogst mir nach

 

 

 

 

Freitag, 10. Juni 2022

Humoreske

Telephon, Ausführung von 1895. Nach dem Geschmack des Fin de Siècle hatte die Kunst die Aufgabe, die Technik zu verschönern, um sie dadurch zu adeln. – Aus: Brockhaus Konversations-Lexikon 1895


Jürgen Schwalm

Humoreske

 

Glockenblumen

ließ ich an deinem Telefon läuten,

schickte so viele Sträuße davon durch die Leitung,

dass deine Vasen nicht mehr reichten.

Du hattest mich schon in dein Nachthemd gestickt

neben die blauen Blüten.

Dann kam ich selbst durch den Draht,

auch ganz blau,

dein Tick voll Roman-Tick,

dein Samtroman,

deine geliebte Bettlektüre.

Du klapptest mich auf,

da sagte ich: April-April kleine Mai-Frau.

Ich lag auf deiner Zunge als Nachthupferl.

Dein Mund schmeckte nach Schokolade.

 

(aus: Archaische Träume, 1980)

 

 

 

 

Freitag, 3. Juni 2022

Rhododendron

Rhododendron-Blüte im Laubschatten. Foto: Jürgen Schwalm

 

Allen Freundinnen und Freunden wünsche ich ein frohes Pfingstfest!

 

Jürgen Schwalm

 

Rhododendron

 

Die Sonne schleudert

Strahl um Strahl

 in den Laubschatten

um dort Blatt für Blatt

eine rote Blüte anzuzünden:

Im grünen Zelt schwebt eine Mittagslampe

 

(aus: Schwingen, 1984)